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Private oder gesetzliche Krankenversicherung?

Krankenversicherung Gesundheitskarte

In keinem Land ist die Frage ob man sich privat oder gesetzlich versichern sollte so heiß diskutiert wie in Deutschland. Es vergeht keine Woche in der die Krankenversicherer nicht in den Medien erscheinen. Der hohe Zuwachs an Selbständigen lässt die Frage ob man sich für die private oder gesetzliche Krankenversicherung entscheiden sollte umso wichtiger für den öffentlichen Diskurs werden.

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Die gesetzliche Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung sollte wohl die Krankenversicherung sein, welche jeder kennt. In Deutschland ist man bekanntlich Krankenversicherungspflichtig. Aus diesem Grund landen die meisten von Geburt an, über die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung – und verbleiben dort. Die gesetzliche Krankenversicherung hat hierbei viele Eigenschaften, welche wir hier näher beleuchten werden.

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung handelt es sich um ein Solidarsystem. Das bedeutet, dass jeder Einzahler die gleichen Leistungen erhält. Innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung werden alle gleich behandelt und genießen den gleichen Schutz wer mehr einzahlt, erhält keinen besseren Schutz und umgekehrt. Es gibt natürlich kleinere Unterschiede zwischen den einzelnen Krankenkassen, diese ergründen sich in unterschiedlichen Zusatzbeiträgen und Leistungen. 

Familienmitglieder mit keinem oder geringen Einkommen können kostenlos mitversichert werden. Dies gilt für Ehepartner und Kinder bis 25 (teilweise auch älter) mit einem geringem Einkommen (maximal 450 Euro im Monat auf Minijobbasis) sie sind dann familienversichert.

Arbeitnehmer, welche ein Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze beziehen sind automatisch gesetzlich versichert und dürfen sich nicht privat versichern. Arbeitnehmer die mehr verdienen, Beamte, Selbständige und Freiberufler dürfen sich privat versichern, müssen es jedoch nicht.  

Die private Krankenversicherung

Die private Krankenversicherung stellt den Gegenpol zur gesetzlichen Krankenversicherung dar. Sie bietet einen individuellen Schutz. Der Schutz hat hierbei stark variieren liegt jedoch meist stark über der Regelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Außerdem richtet sich der zu zahlende Beitrag nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Versicherer, dem Alter und dem Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers.

Privatpatienten erhalten meist schneller Termine bei Fachärzten und profitieren von kürzeren Wartezeiten. Die Leistungen bei Haus- und Zahnarzt liegen meist ebenfalls weit über dem Standard der gesetzlichen Krankenversicherung.

Familienmitglieder werden nicht automatisch mitversichert sondern müssen selbständig krankenversichert werden. Ausnahme sind hierbei Familienmitglieder von Beamten welche ebenfalls einen Anspruch auf Beihilfe erhalten.

Bei der privaten Krankenversicherung gibt es außerdem etwaige Beitragsrückerstattungen. Wer über einen längeren Zeitraum keine Leistungen bezieht, kann Monatsbeiträge oder Festbeiträge zurück erhalten. 

Außerdem bietet die private Krankenversicherung die Möglichkeit einen Selbstbehalt einzurichten. Dieser senkt den monatlichen Beitrag, wenn jedoch Rechnungen eingereicht werden, muss erst ein Beitrag bis hin zur Selbstbehaltsgrenze selbst übernommen werden. Erst danach übernimmt die private Krankenversicherung.

Die private Krankenversicherung bildet Altersrückstellungen. Da der Mensch in jungen Jahren selten krank ist und im erhöhten Alter viele Kosten übernommen werden müssen entwickelt sich auch der Beitrag auf eine ähnliche Weise. Damit dieser stabil bleibt, bildet die private Krankenversicherung Altersrückstellungen. Das Ergebnis: Die Beiträge bleiben auch im Alter stabil und bezahlbar, sofern lange genug eingezahlt wurde.

 

Unterschied private und gesetzliche Krankenversicherung

Privat

  • individueller, höherwertiger Schutz
  • bildet Altersückstellungen
  • Beitrag richtet sich nach Gesundheit, Alter und gebildeten Rückstellungen
  • optionaler Selbstbehalt
  • keine Familienversicherung
  • Beitragsrückerstattung
  • eher geringe Wartezeiten für Behandlungen

Gesetzlich

  • Regelversorgung
  • bildet keine Rückstellungen
  • Beitrag bildet sich nach dem Einkommen bis hin zum Höchstsatz
  • kein Selbstbehalt
  • kostenfreie Familienversicherung
  • keine Beitragsrückerstattung
  • eher erhöhte Wartezeiten für Behandlungen

Vergleicht man die private und die gesetzliche Krankenversicherung einzig und allein nach den Leistungen, so ist die private Krankenversicherung für die meisten wesentlich sinnvoller. Sie bietet eine bessere Versorgung, kürzere Wartezeiten und wer selten erkrankt erhält einen Teil der eingezahlten Beiträge zurück. Außerdem werden Altersrückstellungen gebildet. All diese Faktoren lassen die private Krankenversicherung sehr gut aussehen und es ist wahr, die private Krankenversicherung ist tatsächlich für die meisten die bessere Wahl. Wer in jungen Jahren in die private Krankenversicherung geht, kann von Rückstellungen profitieren und kann unter Bedingungen immer noch zurück in die gesetzliche Krankenkasse. Wer jedoch viele Jahre in die gesetzliche Krankenkasse einzahlt und dann in die private Krankenversicherung wechseln möchte hat viele Jahre lang keine Rückstellungen bilden können und meist trotzdem einen viel höheren Beitrag gezahlt. 

Für wen eignet sich die private Krankenversicherung?

Allgemein eignet sich die private Krankenversicherung für jeden Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze, Selbständige und Beamte. Es gilt jedoch einige Dinge zu beachten:

Für Selbständige und Arbeitnehmer: Das Eintrittsalter sollte nicht über 45 Jahren liegen. Ein junges Eintrittsalter ist wichtig, um Beitragsstabilität zu gewährleisten. Wer sich erst spät privat versichert muss mit höheren Beiträgen rechnen.

Für Selbständige: Das Einkommen sollte stabil sein. Wer sein Unternehmen erst seit kurzem besitzt und noch nicht sicher langfristig profitabel arbeiten kann, sollte vorerst gesetzlich versichert bleiben und mit der privaten Krankenversicherung warten.

Für wen eignet sich die gesetzliche Krankenversicherung?

Die gesetzliche Versicherung bietet nicht viele Vorteile gegenüber der privaten Krankenversicherung. Dennoch gibt es sie. Wir listen euch die wichtigsten Vorteile der gesetzlichen Krankenversicherung auf und zeigen wer lieber gesetzlich versichert bleiben sollte.

  • Alle die von der Familienversicherung profitieren wollen, d.h alleinerziehende Elternteile oder arbeitslose Ehepartner sollten sich den Wechsel in die private Krankenversicherung wohl überlegen. 
  • Selbständige welche noch kein sicheres Einkommen aufweisen sollten lieber die Sicherheit der gesetzlichen Krankenversicherung nutzen und wechseln sobald das Unternehmen sichere, nachhaltige Gewinne erzielt
  • Wenn das Alter bereits zu hoch ist, ist ein Verbleib in der gesetzlichen Krankenversicherung ebenfalls sinnvoll.
  • Vorerkrankungen. Wer bereits einen eingeschränkten Gesundheitszustand besitzt sollte ebenfalls in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Private Krankenversicherungen wollen für Vorerkrankungen meist hohe Zuschläge oder Leistungsausschlüsse. Diese schränken den Versicherungsschutz stark ein und erhöhen den Beitrag.

 

Wird die private Krankenversicherung im Alter zu teuer?

Ja und Nein.

Die private Krankenversicherung neigt dazu, im Alter teurer zu werden. Das ist soweit kein Geheimnis, ob diese jedoch zu teuer wird ist fraglich. Grundsätzlich gilt: Wer in jungen Jahren (Eintrittsalter < 45) in die private Krankenversicherung wechselt hat genug Altersrückstellungen gebildet, um einen bezahlbaren Beitrag zu gewährleisten. Die meisten privaten Krankenversicherer bieten außerdem einen Beitragsentlastungstarif an um für einen niedrigen Beitrag vorzusorgen.

Aber:

Wer erst spät in die private Krankenversicherung gewechselt ist und gegebenenfalls Zuschläge wegen eines eingeschränkten Gesundheitszustand zahlen muss, der muss hohe Beiträge im Alter zahlen. Die Altersrückstellungen sind entscheidend für die Gewährleistung eines niedrigen Beitrages. Wer diese in jungen Jahren nicht bilden konnte, muss mit hohen Beiträgen im Alter rechnen und sollte bereits frühzeitig vorsorgen oder sich um einen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung bemühen.

 

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Unser Fazit.

1 Gedanke zu „Private oder gesetzliche Krankenversicherung?“

  1. Toll erklärt! Danke für den Beitrag, hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, mich privat zu versichern. Aktuell bin ich 33 Jahre alt und zahle den Höchstbeitrag in der GKV. Ich werde mich dann mal beraten lassen. Vielen Dank

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